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Vergessene Opfer? Dresden und die Toten des Kalten Krieges

23. Februar 2017 | 15:00

Vortrag |

Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht die Auseinandersetzung mit den Lebens- und Dienstverhältnisse in der ehemaligen Sowjetischen Armee, die als Besatzungstruppe über Jahrzehnte auch das Stadtbild Dresdens prägte. Die Ausbildung in den Kasernen war hart und brutal, das Verhältnis zwischen Offizieren und Soldaten von bindungsloser Unterordnung geprägt, die oft auch körperliche Gewalt einschloss. Hinzu kam das System der »Dedowtschina«, in dem die länger dienenden Wehrpflichtigen über die frisch eingezogenen Rekruten Macht ausübten. Die Einberufung zum Militärdienst erfolgte zweimal im Jahr, und der gesamte Wehrdienst erstreckte sich über zwei Jahre. So existierten jeweils vier »Generationen« nebeneinander. Das älteste Diensthalbjahr wurde als dedy (»Großväter«) bezeichnet und drangsalierte die niederen Diensthalbjahre, die zu allerlei »Dienstleistungen« gezwungen wurden. Dieses informelle Herrschaft- und Hierarchiesystem wurde von den militärischen Vorgesetzten in der Regel geduldet und zur internen Disziplinierung genutzt. Damit war die »Dedowtschina« eine Komponente der Erziehung des »sowjetischen Menschen«, die unter den Bedingungen des totalitären Staates zwangsläufig zur Zerstörung der Persönlichkeit beitrug.

Die Opfer dieser »Umstände«, meist junge Rekruten, wurden unter Verschleierung der wahren Todesursachen in der DDR-Zeit auf dem Sowjetischen Garnisonfriedhof Dresden beigesetzt. An diese Menschen und ihre Schicksale, die bisher weder in die lokale deutsche noch in die offizielle russische Erinnerungskultur Eingang gefunden haben, soll mit der Veranstaltung erinnert werden.

Als Hauptredner konnten wir Konrad Felber für diese Veranstaltung gewinnen, der als ehemaliges Mitglied im Kontrollausschuss zur Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit der Volkskammer, früherer stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender der Külz-Stiftung und nunmehriger Leiter der Außenstelle Dresden der Stasi-Unterlagenbehörde, ein hohes Maß an Erfahrung und Wissen zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte besitzt.

(Textquelle: Veranstalter | Bild: Sowjetischer Garnisonfriedhof Dresden, Quelle: Veranstalter)