Rassismus | Die Erfindung von Menschenrassen

19. Mai 2018 bis 6. Januar 2019 |
Ausstellung im Deutschen Hygiene-Museum Dresden |

 

Die neue Sonderausstellung des Deutschen Hygiene-Museums widmet sich dem Thema Rassismus auf umfassende Weise. Sie argumentiert einerseits historisch, indem sie sich mit der wissenschaftlichen Erfindung von »Menschenrassen« seit dem 18. Jahrhundert beschäftigt; andererseits zielt sie ab auf unsere Gegenwart, in der Menschen nach wie vor mit Rassismus und unterschiedlichen Formen von Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt konfrontiert sind.

Das Hierarchien schaffende Konzept menschlicher »Rassen« entstammt dem Ordnungsdenken der Aufklärung, und es ist tief in die Denk- und Wahrnehmungsstruktur der europäischen Moderne eingedrungen. Die Ausstellung analysiert die Bilder und Medien, mit denen dieses Denken popularisiert wurde, und sie beschreibt seine geopolitischen Auswirkungen seit dem Zeitalter des Kolonialismus. Ein eigenes Kapitel ist der Rolle des Deutschen Hygiene-Museums im Nationalsozialismus gewidmet, in der das Haus aktiv an der Ausarbeitung und propagandistischen Verbreitung »rassehygienischer« Ideen beteiligt war.

Die Ausstellung arbeitet die Wirkmächtigkeit dieses Konstrukts von »Rassen« auch für eine Gesellschaft heraus, in der der Begriff selbst weitgehend geächtet ist. Es geht ihr also weniger um die Geschichte eines gefährlichen Wortes als um die Anatomie einer langlebigen Idee. Sie beschreibt Rassismus als Ideologie und als alltägliche Praxis und sensibilisiert die Besucherinnen und Besucher so für seine bewussten und unbewussten Funktionsweisen. Rassismus verletzt und gefährdet nicht nur Individuen, sondern bis heute auch die Ideale menschlicher Gleichheit und Freiheit, die unserer demokratischen Gesellschaft zugrunde liegen.

Die Ausstellung wird sichtbar machen, wie aus der gegebenen menschlichen Vielfalt eine Politik der sozialen Ungleichheit und Anfeindungen abgeleitet wurde und wird. Sie wird das Fühlen und Nachdenken über »uns« und »die Anderen« nicht unmittelbar korrigieren können. Aber sie wird die Mechanismen rassistischen Denkens und Wahrnehmens offen legen und so Handlungsoptionen aufzeigen, die auf die Herausforderungen einer multikulturellen Gesellschaft ohne Aggression und Abwehr reagieren können. In allen Abteilungen werden darum auch solche Phänomene und Bewegungen vorgestellt, die sich kritisch mit rassistischen Ideologien auseinandergesetzt und eine antirassistische Praxis oder eine Politik der kulturellen Anerkennung vertreten haben. Auf diese Weise möchte die Ausstellung zu einem realistischen und optimistischen Blick auf die kulturelle und soziale Vielfalt und die politische Ordnung unserer Gesellschaft beitragen.

 

Veranstalter: Deutsches Hygiene-Museum Dresden
Veranstaltungsort: Deutsches Hygiene-Museum Dresden, Lingnerplatz 1, 01069 Dresden 

Weitere Informationen

(Textquelle: Veranstalter | Bild: Anne-Louis Girodet-Trioson, Porträt von Jean Baptiste Belley, 1797, Musée National du Château du Versailles)